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Herausforderndes Jahr für Oberösterreichs Feuerwehren: 6,88 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden und fast 59.000 Gesamteinsätze

Neuschneemassen zum Jahreswechsel, extreme Trockenheit in den Sommermonaten mit Wald- und Flurbränden und ein spektakulärer Großbrand nach einer Explosion in einem Abfallentsorgungsunternehmen: 2019 brachte besondere Herausforderungen für die 912 oberösterreichischen Feuerwehren. Das Resultat: 6,88 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden und fast 59.000 Einsätze.

Oberösterreichs Feuerwehren ziehen Bilanz über das Einsatzjahr 2019: Die Gesamtanzahl der Einsätze ist leicht gesunken, die Komplexität der Aufgaben nimmt jedoch stetig zu und erfordert von den Mitgliedern immer mehr Engagement. 6,88 Millionen Arbeitsstunden waren es 2019, die von den mehr als 94.000 Feuerwehrmitgliedern fast ausschließlich auf freiwilliger Basis geleistet wurden.

Gemeinsam im Einsatz für Oberösterreich

  • Zunehmend komplexere Einsätze

Die Gesamteinsätze im Jahr 2019 sind zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken - von 62.434 auf 58.952 - die Schwere der Einsätze forderte jedoch ihren Tribut und damit ein Plus von 35.775 Einsatzstunden. Dies zeigt deutlich, dass die Komplexität der Einsätze zunimmt. Die Bewältigung ist vielfach kein einfaches Herangehen und braucht ein hohes Maß an Wissen und Kompetenz sowie einen verstärken Ausbildungs- und Übungsaufwand. Die Brandmelder-Alarmierungen stiegen um 104 auf 1.855 an. Hier machen sich die Investitionen in den vorbeugenden Brandschutz bemerkbar.

  • Tor zur Sicherheit: Landeswarnzentrale alarmierte 13.683 Mal

Genau 13.683 Alarmierungen führte die Landeswarnzentrale 2019 durch, das bedeutet eine Zunahme von 14,7% im Vergleich zum Vorjahr. Speziell bei den technischen Alarmierungen gab es einen neuen Höchststand: Diese stiegen 2019 auf 5.364 - ein Plus von 1.592 Alarmierungen. Die starke Zunahme lässt sich auf die vermehrten Schneedruckeinsätze im Januar zurückführen. Ebenfalls wurden im abgelaufenen Jahr 3.047 Brandalarme durch die Disponenten ausgelöst – ein Plus von 155 im Vergleich zu 2018.

  • 6,88 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden

Die Leistung der oberösterreichischen Feuerwehren geht weit über die reine Schadensabwehr und Schadensbekämpfung sowie Hilfestellung im Unglücksfall hinaus. Das flächendeckende Feuerwehrwesen ist eine tragende Säule unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und ist wie keine andere Organisation getragen von einem ganz besonderen Geist der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhalts. Für die Feuerwehren gilt ständige Einsatzbereitschaft 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche und an 365 Tagen im Jahr. 2019 haben die Feuerwehrmitglieder 6,88 Mio. ehrenamtliche Stunden für die Hilfe am Nächsten geleistet.

Stundenaufwände OÖ Feuerwehren 2019

  • Mitglieder – das starke Rückgrat der Feuerwehr: 94.233 Menschen arbeiten für Menschen

Ein erfreuliches Plus bei der Mitgliederentwicklung gab es 2019: Mehr als 94.233 Freiwillige stellen sich in Oberösterreich hochengagiert und ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit. Besonders positiv hat sich das Herabsetzen des Zugangsalters von 10 auf 8 Jahre ausgewirkt: 3.208 Neuzugänge gab es 2019 bei der Feuerwehrjugend – ein Plus von 37,5% im Vergleich zum Vorjahr. Ebenfalls im Steigen ist der Anteil der Mädchen und Frauen in Oberösterreichs Feuerwehren: Der Mitgliederstand konnte 2019 um 701 neue Mitglieder auf 7.345 erhöht werden.

  • Feuerwehrwahljahr 2019: Robert Mayer und Michael Hutterer als neues Führungsduo

Die Wahl des Landes-Feuerwehrkommandanten und seines Stellvertreters ist am 29. Mai 2019 in Linz über die Bühne gegangen. Robert Mayer wurde mit 62:2 Stimmen zum neuen Chef gewählt und löste damit Dr. Wolfgang Kronsteiner ab, der 10 Jahre lang das Bild des Oö. Landes-Feueswehrverbandes geprägt hat. Michael Hutterer setzte sich gleich im ersten Wahlgang mit 48 Stimmen durch.

  • 150 Jahre Oö. Landes-Feuerwehrverband

2019 war ein Jubiläumsjahr: Der Landes-Feuerwehrverband feierte heuer seinen 150-jährigen Bestand, die Landes-Feuerwehrschule wurde als die älteste derartige Schule Österreichs 90 Jahre alt. Unter dem Motto „Renoviert wie neu“ wurden die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestand des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes im Lehrsaal 1, dem Herzstück des generalsanierten Kommandogebäudes in Linz, eingeläutet. An der Eröffnungszeremonie nahm eine Reihe geladener Gäste aus Wirtschaft und Politik teil, darunter der Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes Albert Kern, Landesrat KommR Elmar Podgorschek und KommR Dr. Dieter Siegel von der Firma Rosenbauer.

Der wohl spektakulärste Akt ging am Nachmittag des 3. Mai 2019 in Anwesenheit von LH Mag. Thomas Stelzer beim Landhaus in Linz über die Bühne: Ausgehend vom Gelände des Landes-Feuerwehrverbandes und dem Einzug über den Linzer Hauptplatz erfolgte der Einmarsch von acht Zügen in den Seitenstraßen, jeweils in Begleitung einer Feuerwehrmusikkapelle. In der wunderbaren Kulisse des Innenhofes des Stifts St. Florian, im Beisein von Fahnenabordnungen aus ganz OÖ, wurden am 4. Mai -stellvertretend für alle Neuanzugelobenden in Oberösterreich - Jungfeuerwehrmitglieder und Aktive angelobt. Im Rahmen dieses Festakts wurde erstmals auch eine Feuerwehrfahne für den Landesfeuerwehrverband gesegnet. Als Patinnen konnten die Ehefrau des Landeshauptmannes, Fr. Bettina Stelzer-Wögerer, sowie die Ehefrau des damaligen Sicherheitslandesrates, Angelika Podgorschek, gewonnen werden.

Neue Fahne des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes

Kommunikation und Alarmierung – zentrale Anforderungen

  • BOS Digitalfunk: Ausbau schreitet zügig voran

Der Ausbau des Digitalfunksystems ist 2019 planmäßig vorangeschritten. Die Beseitigung von Funklöchern in Kombination mit der Unterdrückung von Nebengeräuschen wie Motorenlärm erleichtern die Abwicklung der Einsätze. Nachdem das Land OÖ. die Kosten für die freiwilligen Einsatzorganisationen übernommen hat, ist der vollständige Umstieg vom alten Analogsystem auf das Digitalfunksystem nun in einem sehr kurzen Zeitraum möglich. Nach ausführlichen Tests wurde beschlossen, auch das Notfunksystem mittels Digitalfunkgeräten im sogenannten Direktmodus zu realisieren. In dieser Betriebsart wird keine Infrastruktur benötigt, die Geräte funken von Gerät zu Gerät. Auch beim großen Stromausfall - dem Blackout - kann man dadurch noch funken. Diese Lösung ist deutlich wirtschaftlicher, wesentlich einfacher und die Einsatzkräfte arbeiten auch in diesen Ausnahmefällen mit den gewohnten Geräten.

  • Leitstellenverbund garantiert Ausfallssicherheit in der Notrufannahme

Nachdem drei Notrufzentralen technisch und organisatorisch zu einem Verbund zusammengeschlossen wurden, ist man nun für die Zukunft gerüstet. Bereits jetzt zeigen sich die wirtschaftlichen und technischen Vorteile. Unvorhergesehene Starklasten können nun schon in der Anfangsphase umfassend bedient werden. Die Anbindung der Leitstellentechnik an das neue Digitalfunksystem konnte im Verbund auf hohem technischem Niveau und kostengünstig realisiert werden. Die sehr große Leistungsfähigkeit bei Einlangen sehr hoher Anzahl von Notrufen wie bei Elementarereignissen und eine wesentliche Erhöhung der Ausfallsicherheit durch die geografische Verteilung auf mehrere Standorte sind weitere erzielte Verbesserungen. Bereits weitgehend abgeschlossen ist auch die Einbindung des Digitalfunks und die Möglichkeit der Standortbestimmung von Handys, die einen Notruf absetzen. In Vorbereitungen ist die Annahme der automatischen Notrufe verunglückter Fahrzeuge, der sogenannten eCall.

Organisatorische Weiterentwicklung

  • Dienstausweis im Scheckkartenformat ersetzt Feuerwehrpass

Am 14. Februar 2019 beschloss die Oö. Landes-Feuerwehrleitung unter dem Vorsitz von Landes-Feuerwehrkommandant LBD Dr. Wolfgang Kronsteiner die Einführung eines „Feuerwehr-Dienstausweises“. Im Herbst 2019 war es dann soweit: Die Dienstausweise im Scheckkartenformat lösten die alten Feuerwehrpässe aus Papier ab. Eine Projektgruppe im Landes-Feuerwehrkommando hatte zuvor die Grundlagen für die Einführung erarbeitet. Der Kartenkörper besteht aus dem neu entwickelten Material „T4“ von AustriaCard und wird in Österreich unter anderem bei der e-card verwendet. In dem mehrschichtigen, miteinander verschweißten Material ist ein Kontaktlos-Chip integriert. Der Druck des Sicherheitsdesigns ist durch die oberste transparente Lage geschützt und somit im Kartenkörper integriert.

  • 4YOUCARD für Mitglieder der Feuerwehrjugend

Mit freundlicher Unterstützung durch das Land OÖ wurde die neue 4youCard Feuerwehr finanziert und entwickelt. Die neuen Feuerwehr-Jugendausweise, die in Kooperation mit dem Verein 4yougend entstanden sind, bringen zahlreiche Vorteile und Vergünstigungen mit sich.

Vergünstigungen bei Partnern und Events

  • 4 Mal jährlich das Jugendmagazin Mag4You für alle ab 12 Jahren
  • App4you mit der digitalen 4youCard Feuerwehr inklusive der bereits erreichten Leistungsabzeichen (FjLA, Wissenstest, Erprobungen)
  • Weist als Feuerwehrjugendmitglied einer Oö. Feuerwehr aus
  • Kostenlos für die Feuerwehren (Finanziert durch Land OÖ und den Oö. LFV)
  • Amtlicher Lichtbildausweis in Oberösterreich

Die 4youCard Feuerwehr wird in zwei Versionen verfügbar sein:

  • 4youCard Feuerwehr (für 12 – 16-jährige)
  • 4youCard Junior Feuerwehr (für 8 – 12-jährige)

  • Feuerwehrjugend neu ab 8 Jahren

Mit Beschluss der Landes-Feuerwehrleitung vom November 2018 wurde die Möglichkeit geschaffen, Mitglieder in die Feuerwehrjugend bereits ab dem 8. Lebensjahr aufzunehmen bzw. ab dem 9. Lebensjahr an Leistungsbewerben teilzunehmen. Damit ist Oberösterreich national Vorreiter. Diese Maßnahme hat sich 2019 bei den Mitgliederzahlen bereits stark ausgewirkt: 853 Jugendliche zwischen 8 und 10 Jahren haben sich 2019 der Feuerwehrjugend angeschlossen.

  • GEMEINSAM.SICHER.FEUERWEHR: TOP 3 – Projekt in der EU

Die Bildungsinitiative des Landes-Feuerwehrverbandes Oberösterreich, die vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband in ganz Österreich ausgerollt wurde, hat auch in Europa überzeugt: Beim European Fire Safety Award am 18. November 2019 wurde das Projekt im EU Parlament in Brüssel als eines der drei besten Europas ausgezeichnet. Mit der Initiative Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr leisten die österreichischen Feuerwehren einen wichtigen Beitrag zur Brand- und Katastrophenschutzerziehung in Kindergärten und Schulen.

Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr Top 3 Projekt in der EU

Rahmenbedingungen für die Aufgaben der Zukunft

  • Gefahrenabwehr- und Entwicklungsplanung 2019 auf Hochtouren

Jede Gemeinde ist verpflichtet, die Gefahrenlage und künftige sicherheitsrelevante Entwicklung zu erheben, zu analysieren und zur Grundlage ihrer Entwicklungsplanung zu machen. Ein standardisiertes Verfahren, unterstützt durch den Landes-Feuerwehrinspektor, liefert die Entscheidungsgrundlagen und hilft bei der Bewertung. Die Gefahrenabwehr- und Entwicklungsplanung (GEP) schätzt künftige Entwicklungen ab und setzt sie mit den Möglichkeiten und der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr in Beziehung. Sie zeigt auf, was vorbeugend zu tun ist, um abwehrend noch erfolgreich sein zu können. Sie macht Verantwortungen sichtbar und lädt zum Mitwirken ein. Nach dem Startschuss der GEP im Februar 2017 wurde bereits bei 400 Gemeinden Oberösterreichs das sogenannte GEP-Gespräch abgehalten. Die Gespräche in den verbleibenden 38 Gemeinden werden in den ersten Monaten des Jahres 2020 erfolgen.

  • Bildungsmanagement

Die Vielfalt an neuen Herausforderungen im Einsatzbereich, zahlreiche Veränderungen der Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder und auch der gesellschaftlichen Wandel lösen dringende Anpassungen in der Bildungslandschaft des Feuerwehrwesen aus. In diesem Bereich werden aktuell notwendige Neuausrichtungen sowie Weichenstellungen erarbeitet und schrittweise umgesetzt. Besonderen Fokus legen wir derzeit auf Bedarfsorientierung, Zielgruppenorientierung und Kompetenzorientierung. Das Thema „Ausbildungsplanung versus Personalplanung“ wird ein Gebot der Stunde. Feuerwehr ist bei aller notwendigen Digitalisierung Handwerk und braucht von Beginn auch an einen Schwerpunkt in der Ausbildung der Feuerwehrmitglieder - das bietet aber auch viele Chancen im digitalen Zeitalter.

  • Katastrophenschutz

Wir sind Katastrophenschützer Nr. 1 in Österreich. Die notwendige Auseinandersetzung mit den neuen Gefahren und Dimensionen der Einsatzbereiche rund um Naturgewalten oder technische Störfälle (z.B. Mangellagen) brauchen auch eine Anpassung bei Stützpunktsystem, Ausbildung, technisch- taktischen und organisatorischen Maßnahmen im Katastrophenschutz. Erste Schritte wurden bereits eingeleitet und umgesetzt, weitere folgen sukzessive in den nächsten Jahren. Die Adaption des Lehrsaal 1 als Hightech-Stabsraum für die Technische Einsatzleitung auf Landesebene, die Einführung eines umfassenden Logistiksystems und Anpassungen der Richtlinien für den Katastrophenschutz sind nur einige Beispiele. In der Zusammenwirkung aller Ebenen im Feuerwehrwesen - vom neuen Einsatzleitsystems der Landeswarnzentrale bis zur Feuerwehr - entsteht eine neue Form der digitalen Einsatzführungsunterstützung.

Unverzichtbare und unbezahlbare Stütze unserer Heimat

„Unsere Feuerwehren sind mit ihren ehrenamtlichen Mitgliedern immer zur Stelle, wenn es darauf ankommt, anderen in Notsituationen zu helfen. 365 Tage im Jahr, zu jeder Tageszeit und zu jeder Witterung. Sie sind eine unverzichtbare und unbezahlbare Stütze zur Sicherheit unserer Heimat. Unsere freiwilligen Feuerwehren haben in unserer Bevölkerung einen großen Stellenwert.

Es muss uns jedoch allen bewusst sein, dass dieses ehrenamtliche System keine Selbstverständlichkeit ist. Was die Feuerwehren leisten ist wirklich bewundernswert und verdient größten Respekt. Die letzten großen Ereignisse haben uns gezeigt, dass der schmale Grat zwischen Verfügbarkeit der Einsatzkräfte und beruflichen Verpflichtungen der Mitglieder immer wieder eine Herausforderung darstellt.

Die neuen Regelungen für Entgeltfortzahlungen bei Großschadensereignissen werden zumindest eine gewisse Verfügbarkeit für die Zukunft sicherstellen. Dennoch gilt es, zukünftig auch die Herausforderungen der Verfügbarkeit bei den Einsätzen untertags weiterhin gut zu bewältigen. Es gibt bereits schon viele Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern erlauben, ihren Arbeitsplatz für Einsätze zu verlassen, ihnen gilt für dieses vorbildhafte Verhalten mein Dank. Unser Ziel muss es jedoch sein, für die alltäglichen Einsätze weiterhin einen Kompromiss zu finden, mit dem die Bedürfnisse und Notwendigkeiten beider Seiten abgedeckt werden", betont der für das Feuerwehrwesen in Oberösterreich zuständige Landesrat KommR Ing. Wolfgang Klinger.

KommR Ing. Wolfgang Klinger

Jahresbilanz 2019 zum Download

Unter folgendem Link steht die detaillierte Jahresbilanz 2019 des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes zum Download zur Verfügung.