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Pressekonferenz: Ehrenamt in Oberösterreich - Lange Tradition, starkes Engagement, großer Einsatz

Die entwurzelten Bäume, die durch heftige Gewitter über Nacht noch duzende Straßen im ganzen Land säumten, sind am Morgen wieder verschwunden. Verantwortlich dafür: Die vielen Ehrenamtlichen und das flächendeckene Sicherheitsnetzwerk von mehr als 900 Feuerwehren in Oberösterreich. "Viele sehen gar nicht, was die Freiwilligen leisten, weil es oft im Verborgenen passiert", sagt Landes-Feuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner. Umso wichtiger sind daher die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Helfer.

Ehrenamtliches Engagement ist Ausdruck des Zusammenhalts und der Solidarität. Nicht zuletzt die Unwetterereignisse der vergangenen Wochen haben die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in den Blaulicht- und Rettungsorganisationen als tragende Säule des Sicherheitssystems im Katastrophenschutz in Oberösterreich gezeigt.

Alleine im Jahr 2016 wurden im oberösterreichischen Feuerwehrwesen 6,38 Millionen Arbeitsstunden für die Hilfe am Nächsten auf ehrenamtlicher Basis geleistet.

Um die Rahmenbedingungen für die ehrenamtlichen Retterinnen und Retter zu verbessern, setzen sich Landes-Feuerwehrkommandant Kronsteiner und Soziallandesrätin Gerstorfer gemeinsam für die verbesserte Absicherung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ein:

  • Sicherung der Verfügbarkeit speziell auch im Katastrophenfall durch Refundierung der Kosten aus gewährtem Sonderurlaub für Retterinnen und Retter aus dem Katastrophenfonds.
  • Erweiterung der kostenlosen Gesundenuntersuchung.
  • Verstärkte Anerkennung der Feuerwehrausbildung auch im zivilen Bereich und Öffnung von Bildungsförderungen wie dem OÖ Bildungskonto auch für Ausbildungen im Rahmen der Feuerwehren (z.B. Lenkerausbildungen).

1. Ehrensache: Freiwilliges Engagement in Oberösterreich

Freiwilliges Engagement hat für die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher einen großen Stellenwert. Laut Befragungen des Landes Oberösterreich und des Sozialministeriums engagiert sich rund jede/jeder Zweite in Oberösterreich ab 16 Jahren quer durch alle Altersschichten im ehrenamtlichen Bereich. Die Aktivitätsfelder reichen von den Blaulichtorganisationen über den sozialen Bereich bis hin zu einem freiwilligen Engagement in der Bildung, im Sport oder für umweltpolitische Anliegen.

Motivlagen
Als Motivlagen für dieses enorme Engagement betont die große Mehrheit der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher die Freude, die damit verbunden ist, anderen Menschen zu helfen und einen nützlichen Beitrag für das Miteinander in unserer Gesellschaft zu leisten. Gleichzeitig ist das Ehrenamt oftmals mit dem persönlichen Wunsch verbunden, die eigenen Kenntnisse zu erweitern und zusätzliche Fähigkeiten zu erlernen bzw. in der Praxis anwenden zu können.

2. Naturgewalten und Wetterextreme fordern Einsatzkräfte

Extreme Naturgewalten und lokale Unwetterereignisse haben Oberösterreichs Feuerwehren bereits im Jahr 2016 vor extreme Herausforderungen gestellt.

Feuerwehrbilanz 2016 – intensives Jahr mit 613.212 Einsatzstunden

Alleine im Jahr 2016 wurden die OÖ Feuerwehren zu 53.456 Einsätzen gerufen. Auf Aufräumarbeiten nach Sturmeinsätzen sowie Auspumparbeiten aufgrund von Unwettern entfielen 10.293 Einsätze. In Summe wurden 613.212 Einsatzstunden geleistet – gegenüber dem Jahr 2015 ergibt das ein Plus von 83.000 Einsatzstunden.

Ehrensache: Mehr als 6,38 Millionen geleistete Arbeitsstunden für die Hilfe am Nächsten

Von den insgesamt 6,38 Millionen ehrenamtlich aufgewendeten Stunden entfällt nur rund ein Zehntel auf die für alle sichtbaren Einsätze. Der Mammutanteil an ehrenamtlicher Arbeit passiert im Hintergrund und dient dazu, das Feuerwehrsystem nachhaltig zu sichern. Dazu gehören die Jugend- und Nachwuchsarbeit ebenso, wie die Aus- und Weiterbildung, die Eigenmittelaufbringung, Wartung, Instandhaltung und Verwaltung sowie die Abwicklung von Leistungsprüfungen und Bewerben.

3. Landes-Feuerwehrkommandant Kronsteiner: „Unverzichtbarer Einsatz braucht beste Rahmenbedingungen“

Das oberösterreichische Sicherheitssystem im Bereich des Brand-, Gefahren- und Katastrophenschutzes wird zu über 90% von den 916 (882 Freiwillige Feuerwehren, 33 Betriebsfeuerwehren, 1  Berufsfeuerwehr) oberösterreichischen Feuerwehren getragen. Zu 98% erfolgt dies durch Freiwillige und Ehrenamtliche.

Die Freiwilligen-  und Ehrenamtstätigkeit hat daher in Oberösterreichs Sicherheitsarchitektur einen besonderen Stellenwert. Der aktuell gelebte und sohin auch erwartete Sicherheits-, Service- und Unterstützungslevel durch die Feuerwehren ist hoch und erhebt den Anspruch auf oberösterreichweit gleiche Leistung(sfähigkeit). Sie wird also bis in den letzten Winkel des Landes durch ein auf Solidarität und weitgehend auf Freiwilligkeit und Ehrenamt gegründetes Feuerwehrsystem garantiert.

Ein solches System braucht aber Rahmenbedingungen, unter denen es die Aufgaben erfüllen kann.


Dazu gehören ganz vorrangig das Wissen und das Bewusstsein der Menschen, dass Einsatz und Einsatzvorbereitungen durch Menschen in ihrer Freizeit abgewickelt werden. Durch Menschen, die im Beruf stehen, im Alarmfall von ihrem Arbeitsplatz, von ihrer Familie oder ihrer Freizeitgestaltung weg müssen, um anderen zu helfen, von Menschen, die dafür auch Verantwortung übernehmen.

„Aber da wird doch irgendwer an einem Stützpunkt (einen solchen wird es ja sicher geben) da sein, der mir mein Garagentor öffnen kann, das ich nicht mehr aufbringe“ so der O-Ton aus einem kürzlich eingegangenen Schreiben. Daraus ist erkennbar, dass wir noch sehr viel zu tun haben, den Menschen zu erklären wie das System wirklich funktioniert, um auch klar zu machen, warum geforderte Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Feuerwehrleute und die Feuerwehrorganisation so wichtig sind.

Die Feuerwehren haben eben einen gesetzlichen Unterstützungsauftrag, den sie erfüllen müssen. Daher ist es auch ganz klar und notwendig, den Rahmenbedarf der Unterstützung dieses freiwilligen Einsatzwesens von anderen freiwilligen Betätigungen ob im kulturellen, gesellschaftlichen oder sozialen Bereich zu unterscheiden. Die Einsatzpflicht, die „Verfügbarkeitspflicht“ und die Nichtplanbarkeit des Einsatzes sind eben Anforderungen die einen Unterschied zu anderen Vereinsaktivitäten und deren Absicherungsbedürfnis machen.
 
Neben dem angesprochenen

1. Systembewusstsein und seiner Unterstützung,
2. der Anerkennung der Unterschiedlichkeit der Anforderungen

sind es im Wesentlichen drei Kategorien, in denen sich die Sicherung der Nachhaltigkeit des Feuerwehrwesens bewegt:

3. Absicherung der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die im System Tätigen,
4. Wertschätzung- und Anerkennung, und letztlich generell
5. die finanzielle Sicherung des Systems.

4. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

  • Unterstützung der Beschäftigung von Feuerwehrleuten und deren Verfügbarkeit für den Einsatz durch Bonus Systeme – etwa auch steuerlicher Natur –  für die Unternehmen. Ein positives Beispiel aus jüngster Zeit die Ankündigung des Bundeskanzlers zu Refundierungen für Urlaubsgewährung im Katastrophenfall.

  • Sicherung speziell auch in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes - siehe die positiven Beispiele des Landes Oö beim Ehrenamtsbonus bzw. den unterschiedlichen Freistellungsmodellen für Einsatz und Ausbildung. 

  • Erweiterung der kostenlosen Gesundenuntersuchung – etwa durch Anerkennung der Atemschutzuntersuchungen als gesundheitsfördernde  Maßnahmen sowie die Sicherstellung von kostenlosen Impfungen gegen die im Einsatzdienst auftauchenden Risiken wie zuletzt die Zusicherung im Bereich der Hepatitis Impfung.

  • Der Unfallversicherungsschutz ist eine essenzielle Rahmenbedingung für den Feuerwehrdienst. Aktuell ist er dem Grunde nach sehr gut und an die berufliche Umwelt angeglichen, durchaus aber auch mit schwierigen Abgrenzungsfragen versehen. Insbesondere sind die Besonderheiten der Infrastrukturerhaltung, der Jugendarbeit in all ihren Ausprägungen und die Spezialitäten der Kameradschaftspflege insb. der Anerkennungs- und Erhaltungsinstrumente (wie etwa Ehrungen usw.) in dieses System transparenter und klarer zu integrieren.

  • Verstärkte Anerkennung der Feuerwehrausbildung auch für den zivilen Bereich (etwa in bestimmten Bereichen des Beauftragtenwesens bzw. generell im Rahmen der beruflichen Qualifikation).

  • Öffnung von Bildungsförderungen für das berufliche Umfeld auch für die Ausbildung im Rahmen der  Feuerwehr (Bildungskonto etwa auch für Lenkerausbildung, Kranführer uä im und für den Einsatz in der Feuerwehr).

  • Entlastung der Feuerwehren bei der Mittelbeistellung zur Finanzierung der notwendigen Infrastruktur zum Beispiel durch den Wegfall formeller Verpflichtungen bzw. die Rückvergütung anfallender Mehrwertsteuer:

    Dazu ein Auszug aus einem Positionspapier des ÖBFV vom Juni 2017:
    „Wenn sich der Gesetzgeber zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben schon hunderttausender freiwilliger Feuerwehrmitglieder bedient, dann erachten wir es auch als seine Verpflichtung, uns bei der Aufgabenerfüllung entsprechend zu unterstützen. Derzeit ist es so, dass die Feuerwehren einen erheblichen Teil ihrer Spenden- und Festeinnahmen de facto zur Ablieferung der Mehrwertsteuer bereitstellen müssen. Eine Rückerstattung der Mehrwertsteuer würde vor allem die Feuerwehrbudgets entlasten und könnte auch auf die Gemeindebudgets positiv wirken. Das Gesamtvolumen des Mehrwertsteueraufwandes für den Ankauf der nach den Ausrüstungsverordnungen der Länder beschafften Feuerwehrfahrzeuge beträgt bundesweit etwa 20 Millionen Euro...“


  • Nachhaltige Sicherstellung der Katastrophenfondsmittel durch besondere Beachtung der Auswirkungen von Lohn- und Einkommenssteuerreduktionen.

  • Sicherung der Bewusstseinsbildung – etwa durch verpflichtende Aufnahme und Absicherung des Projekts Gemeinsam. Sicher. Feuerwehr in die Lehr- und Ausbildungsplangestaltung bzw. seine nachhaltige verwaltungstechnische Unterstützung.

„Die Retterinnen und Retter müssen sich im Katastrophenfall darauf verlassen können, dass sie für ihre ehrenamtliche Hilfe keine Nachteile in Kauf nehmen müssen. Für Ihre Einsatzbereitschaft haben die Ehrenamtlichen die bestmöglichen Rahmenbedingungen verdient. Gleichzeitig brauchen auch die Arbeitgeber/innen Sicherheit, denn nur so ist es ihnen möglich, die Einsatzbereitschaft ihrer Mitarbeiter/innen bestmöglich zu unterstützen“, sind sich Landesfeuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner und Sozial- und Gemeindelandesrätin Birgit Gerstorfer einig.

Verbesserte Anerkennung ehrenamtlich erworbener Kompetenzen

Freiwilliges Engagement ist für viele Oberösterreicher/innen auch mit dem Erwerb von persönlichen Kompetenzen verbunden. Um diese Lern- und Bildungsprozesse in einer einheitlichen Form zu dokumentierten wurde der „Nachweis über freiwillige Tätigkeiten“ weiterentwickelt und gewährleistet nun eine ganzheitliche Kompetenzerfassung von Wissen, Können und Handeln. Durch den neuen Nachweis können Freiwillige künftig gemeinsam mit Vertreter/innen ihrer Organisation ein Kompetenzprofil erstellen, in dem die persönlichen Lernprozesse aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit abgebildet werden. Organisationen steht dabei ein Leitfaden zur Verfügung, der das Herausarbeiten der wichtigsten Kompetenzen erleichtert und die österreichweit einheitliche Beschreibung gewährleistet.

„Die im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen sind wichtige Grundlagen für das Erwerbsleben. Der erstmals 2017 eingeführte Freiwilligennachweis ist ein wichtiger Schritt, um alle Fähigkeiten der Freiwilligen – und damit auch ihre großartige Leistung für unsere Gesellschaft – sichtbarer zu machen“, betont Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Fotos: Laumat.at / Mathias Lauber, fotokerschi.at / Werner Kerschbaummayr, Land OÖ / Stinglmayr, Hermann Kollinger
Video: ORF Oberösterreich