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Nach Hochhausbrand in London: Brandschutz rettet Leben – und steht daher an erster Stelle!

„Brandschutz ist teuer, maßlos übertrieben und zudem ausufernd.“ Diese kritischen Stimmen sind immer wieder zu hören, wenn es um die Umsetzung verschärfter Richtlinien im Objektbau oder bei Sanierungen geht. Das Flammeninferno im Londoner Grenfell Tower oder in Dubai (Silvester 2015) zeigen jedoch eines klar auf: professionelle Brandschutzmaßnahmen sind weder im Neubau noch bei Sanierungsverfahren ein kostspieliges Übel. Sie sind auch kein übertriebenes Regelwerk. Im Gegenteil: sie sind Teil der persönlichen Sicherheit eines jeden Einzelnen.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Oberösterreich sowie die Berufsfeuerwehr Linz proben Ernstfälle regelmäßig. Zu den Szenarien gehören auch Brände in Hochhäusern. In London dürfte sich das Feuer sehr rasch und über die Fassade ausgebreitet haben, begünstigt durch Baumängel, so Albert Riedl von der Berufsfeuerwehr Linz. In Oberösterreich sei dies nicht möglich, denn: „Bei uns sollte sichergestellt sein, dass solche Fassaden richtig verlegt werden, damit Kaminwirkungen unterbunden werden. Es sind brandschutztechnische Verputze oder Anstriche vorgesehen, damit eine Brandausbreitung über die Fassade, oder auch verhindert durch Brandriegel, nicht vorkommen kann", so Riedl.

Absicherung durch Brandabschnitte

Aber auch im Inneren wird vorgesorgt. In den meisten Fällen sei jede Wohnung ein eigener Brandabschnitt und abgesichert. In großen Hochhäusern und Betriebsanlagen seien zudem Sprinkleranlagen in Kombination mit Brandmeldern installiert. Darüber hinaus gibt es Feuerwehr-Sicherheitsaufzüge, Sicherheits-Stiegenhäuser mit einer Verbindung ins Freie oder druckluftbelüftete Stiegenhäuser, damit bei einem Feuer auf jeden Fall ein zweiter Fluchtweg zur Verfügung steht.

Richtiges Verhalten im Brandfall

Sollte es dennoch in einem Hochhaus zu einem Brand kommen, so rät Riedl: „Bewohner von Wohnungen, die nicht direkt vom Brand betroffen sind, sollten in ihren Wohnungen bleiben, eventuell die Türen mit feuchten Tüchern abdichten und sich an Fenstern oder Balkon, sofern dort atembare Luft ist, bemerkbar machen.“

Brandschutz in Österreich auf hohem Niveau

„Im internationalen Vergleich ist der Brandschutz in Österreich auf einem sehr hohen Niveau. Gerade im baulichen Brandschutz ist in den letzten Jahren extrem viel Positives passiert, was beispielsweise Themen wie Gebäudenutzung oder Brandlasten anbelangt“ bestätigen Wiens Branddirektor Gerald Hillinger und NÖ-Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter Armin Blutsch, beide Feuerwehrvizepräsidenten des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

„Gerade bei Hochhäusern sind die brandschutztechnischen Auflagen sehr engmaschig und detailliert geknüpft – und auch streng ausgelegt. Bei Einhaltung aller dieser gesetzes- und regelkonformer Standards ist eine Brandausbreitung in dieser Dimension und Geschwindigkeit bei uns praktisch unmöglich“, sind sich die beiden Experten einig.

Flächendeckendes und durchdachtes Netz an Feuerwehren sorgt für Sicherheit

Natürlich können Brände auch bei den besten Regelwerken nie zur Gänze verhindert werden, wie dies auch bei Verkehrsunfällen etc. nicht vermeidbar ist. Deswegen sorgt ein flächendeckendes und gut durchdachtes Netz an Feuerwehren in Österreich zusätzlich für die notwendige Schnelligkeit und Sicherheit. Durch kurze Anfahrtswege, sowohl in der Stadt und am Land, bleibt es zum überwiegenden Teil bei der Bekämpfung von Klein- und Entstehungsbränden.

Einigkeit besteht bei Österreichs Feuerwehrspitze auch darüber, dass Brandschutz kein statisches und ein in Stein gemeißeltes Regelwerk ist, sondern vielmehr einen lebendigen, sich ständig entwickelnden und lernenden Prozess abbildet, der von Fachexperten im Zusammenwirken mit Praktikern begleitet wird.

Quelle: ORF Oberösterreich, Österreichischer Bundesfeuerwehrverband
Video und Screenshot: ORF Oberösterreich
Fotos: M. Seyfert | FEUERWEHR.AT